Di 18. - Do 20. November 2008 - Frankfurt am Main, Messegelände, Halle 5.1
Kein Geld für Terroristen
IT-Lösungen gegen Geldwäsche
Terrorismusfinanzierung durch Geldwäsche - ein Problem, das in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist.
Frankfurt, 26. Oktober 2004 - Seit Anfang 2004 müssen Banken und Versicherungen noch stärkere gesetzliche Auflagen erfüllen, um Geldwäsche zu unterbinden. Technische Lösungen für diese heikle Aufgabe sind auf der Leitmesse für Finanz-IT, der European Banking & Insurance Fair (E.B.I.F.) in Frankfurt am Main zu sehen. Bombenanschläge, Geiselnahmen, Attentate - das Karussell des Terrors dreht sich seit dem 11. September 2001 immer weiter. Auch, weil die Finanzquellen terroristischer und krimineller Organisationen wegen raffinierter Geldwäscheoperationen nur schwer zu lokalisieren und auszutrocknen sind. "Kriminelle versuchen mit steigender Tendenz, aus Straftaten stammende Gelder in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf einzuschleusen", weiß Dr. Thomas Spies, Anti-Geldwäsche-Beauftragter der Deutschen-Bank-Gruppe. Mit verheerenden Folgen, die weit über die direkten Auswirkungen von Terrorakten und schweren Straftaten hinausgehen.
Nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds werden jährlich zwischen 590 und 1.500 Milliarden US-Dollar weltweit "gewaschen". Das heißt, Erlöse aus kriminellen Geschäften werden - zum Beispiel durch Scheingeschäfte, undurchsichtige Firmennetzwerke oder komplizierte Bewegungen von Konto zu Konto so transformiert, dass die tatsächliche Herkunft nicht mehr nachvollzogen werden kann. Für terroristische und kriminelle Vereinigungen ist die Geldwäsche lebenswichtig: Durch sie wird die legale Verwendung illegal erzielter Gewinne erst möglich. Mit ihnen können dann neue Straftaten finanziert und Investitionen in die legale Wirtschaft getätigt werden. So wächst die Kapitalkraft ständig an; neue Märkte und Deliktfelder können erschlossen, neue Waffen gekauft werden. Im legalen Wirtschaftskreislauf sorgt das gewaschene Geld für Verzerrungen auf den Kapitalmärkten, Turbulenzen im Finanzsystem und die Verdrängung von Unternehmen. Die Bekämpfungsmaßnahmen verteuern und behindern Aktivitäten auf den Finanzmärkten. Politisch untergräbt die Geld-
wäsche demokratische Strukturen; im Extremfall können finanziell schwache Staaten durch sie von kriminellen und terroristischen Organisationen abhängig werden.
Weltweit wurden in den letzten Jahren massive Maßnahmen ergriffen, um die Geldwäsche einzudämmen. In Deutschland trat bereits 1993 das Geldwäschegesetz (GWG) in Kraft, das zum 1. Januar 2004 noch einmal verschärft wurde. Danach müssen Geldinstitute und Versicherungen besondere Vorkehrungen treffen, um die Geldwäsche zu bekämpfen. So müssen zum Beispiel alle Einzahlungen von 15.000 Euro und mehr aufgezeichnet werden. Wer eine solche Transaktion vornimmt, muss sich in jedem Fall ausweisen. Darüber hinaus verpflichtet das Gesetz die Institute dazu, bei jedem Verdacht auf Geldwäsche eine Verdachtsanzeige zu erstatten. Außerdem hat jedes Haus nun einen Anti-Geldwäsche-Beauftragten, der sich speziell mit dieser Thematik beschäftigt. Ihm drohen bei fahrlässigem Verhalten in einem Geldwäschefall bis zu fünf Jahren Haft. Koordiniert und überwacht werden die verschiedenen Maßnahmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN).
Alle diese Maßnahmen liegen im Interesse der Banken und Versicherungen. Denn Geldwäsche, Terrorismus- finanzierung und Betrug schaden massiv dem Ruf einzelner Institute und dem Finanzplatz Deutschland. Andererseits führen die Bestimmungen aber auch zu einer erheblichen Mehrbelastung der Branche. "Auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des GWG sind noch eine Vielzahl von Fragen für die Versicherer ungelöst", meint Bettina Huppenbauer, Anti-Geldwäsche-Beauftragte des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungs-wirtschaft. "Problematisch sind vor allem die Terroristenlisten, die wir mit unseren Daten abgleichen müssen. Sie sind oft ungenau und müssen ständig aktualisiert werden."
Ohne technische "Aufrüstung" können die Institute die neuen Aufgaben nicht bewältigen. "Eigentlich können nur IT-gestützte Systeme die Vorgaben des BAFIN erfüllen", sagt Thomas Schütz, Geschäftsführer der Messe Frankfurt Ausstellungen. "Wer darauf verzichtet, handelt im Grunde schon fahrlässig und muss im Ernstfall mit rechtlichen Konsequenzen rechnen." Die Palette von IT-Lösungen für die Überwachung insbesondere des Aus- landszahlungsverkehrs hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Meist wird das Überwachungs-Tool als elektronischer Filter zwischen die Zahlungsverkehrssysteme geschaltet. Hier werden dann Listen von verdächtigen Personen und Empfängerländern elektronisch eingelesen und je nach dem Erkenntnisstand der Bank sowie der Ermittlungsbehörden im In- und Ausland aktualisiert. Auffällige Zahlungen werden vom Filter abgefangen und können dann von Spezialisten weiter überprüft
werden.
Die Cellent AG, eines der führenden Consulting-Unternehmen für Informationsmanagement und Informationsservices, präsentiert auf der E.B.I.F. seine IT-Lösungen aus der SMARAGD-Produktfamilie mit neuesten Entwicklungen zur Überwachung von Terrorismusfinanzierung, Embargo und Geldwäsche. "Gemeinsam mit unserem Partner CSK Software haben wir ein integriertes SWIFT-Gateway für SMARAGD/Monitor entwickelt. Das bedeutet für alle Banken, die ihren Auslandszahlungsverkehr über SWIFT abwickeln, eine schnelle und kostengünstige Integration eines Embargo-Überwachungssystems", sagt Klaus Spießhofer, Vertriebsleiter im Geschäftsbereich der Cellent Finance Solutions. Bei der HVB Group International wird diese Lösung bereits erfolgreich für den gesamten Auslandszahlungsverkehr eingesetzt.
"Der Bedarf an technischen Lösungen im Bereich der Geldwäsche ist in Zeiten des internationalen Terrorismus absolut gestiegen", weiß auch Béla Steingassner von IBM. "Wir verzeichnen eine deutlich erhöhte Nachfrage nach unseren Produkten." In diesem Jahr stellt der Computerriese auf der E.B.I.F. seine Gesamtlösung aus Hardware, Software und Consulting für die Fraud-Detection vor. Über mangelnde Nachfrage kann sich auch TONBELLER, ebenfalls Aussteller auf der E.B.I.F. 2004, nicht beklagen. "Unsere SIRON Anti-Geldwäsche-Software ist der Renner", sagt Unternehmenssprecherin Renate Jalbert.
Nicht nur auf Ausstellerebene ist Geldwäsche ein Schwerpunktthema der diesjährigen E.B.I.F. Der begleitende Kongress beschäftigt sich ebenfalls mit der Problematik: Im Rahmen des Forums Geldwäschebekämpfung diskutieren am 26. Oktober 2004 internationale Experten das weltumspannende Problem und mögliche Lösungsansätze.


